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Das erste Mal: Externe Zweitkorrekturen zurück

01 Jun

Soeben das erste Mal externe Zweitkorrekturen zurückerhalten. Alles im Lot, der Zweitkorrektor hat schlimmstenfalls drei Punkte Abweichung in der Gesamtpunktzahl (von 100), womit mir – wieder einmal – ein paar Karren Mühlsteine vom Herzen purzeln, denn nichts wäre mir jetzt blöder gewesen als eine Drittkorrektur…

 
 

Politisches Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom?

29 Mai

Ich könnte mich jedesmal wieder ärgern… nein! Ich ärgere mich jedesmal aufs Neue, wenn politische Blindgänger wie Philip Mißfelder öffentlich ihre kruden Thesen verbreiten, um damit die dumpfesten Stammtisch-Instinkte zu wecken, um Stimmung zu machen, um einfach nur wieder einmal persönliche Publicity zu bekommen. Obwohl ich weiß, dass es nur um dämliches In-der-Presse-Sein, um ein politisches Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom geht, könnte ich jedesmal ganze Stücke aus meinem Schreibtisch beißen. So auch heute, nachdem ich in der Süddeutschen Folgendes lesen durfte:

Mißfelder: Ich finde, und das haben wir in Nordrhein-Westfalen teilweise auch etabliert, es soll kein Kind mehr eingeschult werden, wenn es nicht Deutsch sprechen kann.

Der freundliche Herr Mißfelder sollte einmal meine Klasse besuchen, dort würde ich ihm ein junges Mädchen im Alter von 11 Jahren vorstellen, das seit August 2009 in Deutschland lebt und kein(!) Wort Deutsch sprechen konnte. Die junge Dame, die man – Gott sei Dank – nicht auf eine Haupt-, Sonder- oder Förderschule, sondern direkt an unser Gymnasium geschickt hat, spricht mittlerweile fließend Deutsch, hat guten Anschluss gefunden und ist so fleißig, dass ich mir wenig Sorgen mache, dass sie in wenigen Jahren politische Heißluftbläser wie Herrn Mißfelder, auf dessen Hüftgelenk-Eskapaden ich einfach nochmal hinweisen muss, locker in die Tasche stecken wird. Intelligenter ist sie gewiss jetzt schon und ihr Potential nicht verschenkt, da es hier in NRW trotz einer niedergewählten CDU-Regierung Schulen gibt, an denen derartige Dummheiten  nicht etabliert sind.

 
 

Das erste Mal mündliches Abi

20 Mai

Das erste Mal – zumindest auf der „dunklen Seite der Macht“, wie es ein Referendar ausdrückte. Sieben Schüler musste ich heute prüfen, die Schulleiterin als Prüfungsvorsitzende immer dabei – immerhin hatte sie die anderen Grundkurse unterrichtet. Ungünstig war, dass wir den Tag zuvor noch eine „etwas“ längere Lehrerkonferenz hatten, wo ich mich doch gerne gedanklich auf die Prüfungen vorbereitet hätte. Vielleicht war das aber auch gar nicht so schlecht, denn sonst hätte ich womöglich haufenweise Fragen vorformuliert und hätte starr an meinem Bogen geklebt; so war ich heute etwas freier.

Die Nacht zuvor habe ich vermutlich genauso wenig geschlafen wie die Schüler und war (zumindest anfangs) genauso nervös wie die Prüflinge. Mit einer Ausnahme ist alles mehr oder weniger wie erwartet gelaufen und ich bin jetzt fertig wie ein Brötchen. Bloggen, duschen, Bett. Fertig.

Mama, bin ich jetzt endlich ein großer Lehrer? Nein, mein Junge! Dafür musst du erst einen LK gehabt haben…

 
 

Schüler konzipieren Klassenarbeiten?

17 Mai

Hm. Geht mir gerade durch den Kopf: Man könnte doch eine sechste Klasse mal eine Klassenarbeit für eine fünfte Klasse erarbeiten lassen. Zum Beispiel Wortarten und Satzglieder betreffend. Die Sechser müssten sich ordentlich hinter den Stoff klemmen, um alles richtig machen zu können, und motivierend wäre das (vielleicht) auch, wenn die Arbeit dann wirklich eingesetzt wird.

 
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Tröstlich

17 Mai

Ein Wirtschaftsvertreter gibt den Studenten noch mit auf den Weg, dass “nach zehn Tagen im Unternehmen ohnehin keiner mehr fragt, welchen Abschluss man hat.” (Süddeutsche in einem Artikel zur Bologna-Konferenz)

 
 

Privatleben reanimieren

03 Mai

Hrmpf. Immer noch dieser deprimierende Verlag20-Artikel ganz oben. Aber leider ist bei mir zur Zeit Ideenflaute bzw. vielmehr Zeitflaute. Es ist deutlich zu merken, dass die Blogfrequenz in den Ferien ansteigt. Allerdings arbeite ich daran und versuche, mir Freiräume zurückzuerobern. Zum Beispiel habe ich angefangen, wieder zu joggen. Naja, bin erst zweimal gelaufen, aber heute wird es dann wohl das dritte Mal werden. Und eine Rollenspielgruppe scheint sich aufzutun, in der man dann mal tageweise in eine fantastische Welt abtauchen kann, in der keine Schulen und Klassenarbeiten existieren. Und wenn mir irgendein böser Magier einen Stapel Hefte in den Helden-Rucksack stopft, dann werfe ich ihn in den nächstbesten Fluss.

Gegen eine Ideenflaute hilft aber auch der Besuch fremder Schulen. So hat eine kleine Delegation unserer Schule incl. meiner Wenigkeit das Albrecht-Ernst-Gymnasium in Oettingen besucht und ich muss schon zugeben, dass das sehr anregend war. Man öffnet dort peu a peu die Raumstrukturen und kommt dadurch zwangsläufig zu einem offeneren Unterricht, der nicht auf die frontale Tafel ausgerichtet ist. Ähnliches überlegen wir jetzt auch, helfen sollen dabei Elemente des flexiblen Klassenzimmers. Einiges davon verwenden wir schon, wie z.B. Tische und Stühle, über anderes denken wir nach. Das flexible Tafelsystem ist schon nicht schlecht und die Schüler haben immer wieder mal einen Grund, sich zu bewegen. Gerade bei unserem Doppelstundenraster fällt auch mein Unterricht oft viel zu stubenhockerisch aus. Bei so einem Besuch bekommt man nicht übel Lust, gleich mal die ganze Schule umzugestalten.

Naja, ich fange erst einmal im Kleinen an: Neue Ablagesysteme für Elternbriefe und Arbeitsblätter werde ich anschaffen und evtl. den Gardinentrick anwenden, so das bei unseren Wänden funktionieren mag…

(Entschuldigt diesen unzumutbaren Schreibstil, aber ich habe gerade keine Lust, alles umzuschreiben…)

 

Verlag20 – Andere arbeiten lassen…

11 Apr

… alleine kassieren. Vermutlich jeder Lehrer-Blogger dürfte diese E-Mail bekommen haben, die im Disclaimer halbgrau auf weiß mit einer „Geheimhaltungspflicht“ droht, und mit deren Inhalt Maik Riecken sich in seinem aktuellen Blogbeitrag auseinandersetzt. Besonders spannend ist Maiks Beitrag, weil er sich nicht nur die Mail, sondern auch die AGB des Verlag20 angeschaut hat, der Initiator dieser Mail ist und darum wirbt, dass man sich „in unserer Lehrer-Community Verlag20“ engagiere und vernetze. Dabei kommt wenig Schönes zutage, letztlich soll der depperte Lehrer, der stundenlange Arbeit in sein Material gesteckt hat, dieses quasi für lau an den Verlag abtreten:

(5) Sämtliche Rechte an dem Portal (insbesondere Marken- und Urheberrechte) liegen bei dem Verlag. Das Mitglied ist verpflichtet, dies zu berücksichtigen und verpflichtet sich, keinerlei Inhalte gleich welcher Art über die dem Mitglied im Rahmen der Nutzung des Portals eingeräumten Möglichkeiten hinaus selbst – privat oder gewerblich – zu nutzen. (…)

(…)

(2) Das Mitglied räumt dem Verlag einfache, räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkte Nutzungsrechte an den Werken ein. Die Rechtseinräumung erstreckt sich auf die Verwertung der Nutzungsrechte sowohl im eigenen Verlag als auch durch entgeltliche oder unentgeltliche (auch teilweise) Vergabe von Rechten an Dritte sowie auf alle Ausgaben und Auflagen und in allen Sprachen, insbesondere auf die folgenden Rechte: (…)

(Quelle: AGB des Verlag20, Stand 11.4.2010)

Ich werde den Teufel tun und meine Arbeit an solche Verlage verschenken. Dann lieber im kleinen Face-to-Face-Netzwerk bleiben, ergänzt um Bekanntschaften per Twitter, Facebook oder die Blogosphäre. Danke an Maik für den Hinweis!

 

Mangelndes rationales Potential

10 Apr

Heute schon wieder einen halbangefangenen Blogbeitrag und einen dreiviertel-fertigen Kommentar gelöscht, weil mir immer noch modrige Pilze im Mund zerfallen. Oder eher im Hirn, das nicht in der Lage ist, der Komplexität all der Fragestellungen Herr zu werden. Bei all diesen kognitiven Mangelerscheinungen musste ich an Herrn Larbigs letzten Boo denken, der den Kritikern des aktuellen Schulsystems vorwirft, nur mit mangelndem rationalen Potential ausgerüstet zu sein, eben weil sie ja dieses Schulsystem durchlaufen haben. Eine furchtbar komplizierte Kiste, wenn man versucht, darüber nachzudenken.

Die Kritiker sollen also nicht fähig sein… weil sie ja selber das Schulsystem, das sie kritisieren, durchlaufen haben… dadurch wird aber die Kritik hinfällig, wenn man ihr folgt, wegen des mangelnden rationalen Potentials der Kritiker… ergo wäre das Schulsystem also gar nicht so schlecht, weil die Kritiker ja Unrecht hätten… dann wiederum wären die Kritiker doch nicht so doof, wie man dächte… usw. usf.

Komplexe Kiste und nur schwer zu diskutieren, weil Herr Larbig sich entschieden hat, seine These als Audio-Boo zu veröffentlichen, was das Diskutieren mühsam macht und dazu führt, dass ich dreiviertelfertige Kommentare in den Orkus banne. Aber interessant ist es allemale und ich warte schon seit Tagen auf die ersten Entgegnungen! Jetzt macht mal endlich!

 
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Posted in Diskurs

 

Standortvorteile

09 Apr

“Und seh’n wir uns nicht in dieser Welt, sehn wir uns in Bielefeld” hat Udo Lindenberg allen Verschwörungsstheorien zum Trotz gereimt. Denn schlecht lebt es sich hier am Teutoburger Wald nicht, im Gegenteil – Geschichtslehrern bietet selbiger handfeste Standortvorteile!

Interessiert man sich für steinzeitliche Geschichte, insbesondere experimentelle Archäologie und im Speziellen für das Feuermachen mit Feuerstein, Pyrit und Zunder, so wohnt es sich in Bielefeld gar wunderprächtig, glaubt man dem Experten, der im Freilichtmuseum Oerlinghausen letzte Woche das steinzeitliche Feuermachen demonstriert hat. Denn sowohl Pyrit als auch Feuerstein sollen sich gut am Teutoburger Wald finden lassen, und wie man einen Zunderschwamm so seiner Zunderschicht entledigt, sodass dieser nicht abgeschnitten werden muss, sondern nachwachsen kann, das hat er mir auch gezeigt.

Anstatt also für teuer Geld bei E-Bay einzukaufen, werde ich demnächst durch unsere nahen Bielefelder Wälder strolchen und insbesondere nach Zunderpilzen Ausschau halten…

 

Axolotls wohin man schaut!

02 Apr

Mit diesem Axololt ist es wie mit allen fremden Begriffen, die man irgendwann einmal aufschnappt: Kaum hat es sich einem ins Gedächtnis eingegraben, schon sieht und hört man davon zu jeder möglichen Gelegenheit und findet es auch da, wo man nicht im Entferntesten damit rechnen würde.

Ich schlage also gerade unbekümmert Zuckmayers “Der Hauptmann von Köpenick” auf, um mir die “Hauptgestalten” und die Szenenfolge anzuschauen, als es mir prompt ins Auge springt:

4. Szene: Personalbüro der Engrossschuhfabrik ‘Axolotl’

Ist das nun eine Persiflage auf Salamander-Schuhe?  “Fest im Lebenskampfe steht, wer auf Axolotl geht!” heißt es in den Regieanweisungen zur vierten Szene, und wenn ich mich an die lustigen Lurchi-Heftchen von Salamander erinnere, wurde da auch gerne gereimt. “Fest im Lebenskampfe…” – klingt etwas martialisch, mag aber im anderen Axolotl-Fall sogar zutreffen: Wenn die Autorin(?) den Presserummel heil überstanden hat, kann sie wohl kaum noch etwas aus den Schuhen heben.

Bin mal gespannt, wann mir das nächste Mal ein Axolotl begegnet.

 
 
 

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