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Archive for the ‘Deutsch’ Category

Uff. Wir schwitzen uns den Ferien entgegen

09 Jul

Junge, ist das heiß! Heute einen Wandertag absolviert. Ins Freibad. Großartig. Unterrichtsverteilung ist halbwegs klar. Endlich ein Geschichtskurs in der Oberstufe, daneben eine 12 in Deutsch. Freue mich auf die Vorbereitung. Und wo ich gerade dabei bin: Hat jemand ein paar gute Literaturtipps für die Zeit von 1500 bis 1800? Renaissance, Reformation, Aufklärung etc.?

Bin in Eile. Klebe gleich am Stuhl. Wünsche ein erfrischtes Wochenende!

 

Pasteten statt Bachmann

25 Jun

Die alljährlichen Bachmannpreistage sollten ja eigentlich ein Pflichttermin für literarisch Interessierte sein, aber… puuuh… ich ertrage es einfach nicht, wenn gute Texte mit großem Fleiß schlecht gelesen werden. Dazu noch vom Autor selbst! Da graust es mir, da muss ich wegschalten. Viel besser ist das Vorlesenkönnen zuletzt in der Uni Bielefeld Jan Wagner gelungen, der Worte zu beeindruckender Lyrik verdichtet. Ich empfehle also statt langweiligen Fernsehertragens lieber „Achtzehn Pasteten“. Köstlich!

 

Jetzt aber!

30 Mrz

Die Ungereimtheiten auf Fachdidaktik Einecke haben sich geklärt und die Seite ist wieder gefahrlos besurfbar. Und es lohnt sich!

 

Fachdidaktik Einecke

23 Mrz

Sagt mal, kann es sein, dass ich noch nicht ein einziges Mal, seit dieses Blog existiert, auf Fachdidaktik Einecke verwiesen habe? Was für ein sträflicher Fehler! Und er sei hiermit abgegolten. Was soll ich groß sagen, die Seite ist schlichtweg nützlich, ein endloser Steinbruch fachdidaktischer Ideen, Ansätze und Beispiele für das Fach Deutsch.

 

Hegemann beim Abendbrot

04 Mrz

Da wähnt man, die feuilletonistische Diskussion um das immer weniger mutmaßliche Plagiat Helene Hegemanns sei abgeflacht, Axolotls wieder im Zustandsbereich der Zoologen angelangt und die erhitzten Gemüter abgekühlt, da hebt mich ein Fünftklässler aus den Socken. Nach einem dezenten Hinweis auf unbotmäßiges Abschreiben platzt es freudestrahlend aus ihm heraus: „Da ist doch jetzt diese Siebzehnjährige, die hat sogar ein ganzes Buch abgeschrieben!“ Mit einer Mischung aus gelinder Verzweiflung und gehöriger Faszination nehme ich diesen Beitrag auf. Ein Fünftklässler, der die Hegemann-Debatte gestreift hat.

Was nun? Soll ich diesen Beitrag jetzt damit schließen, dass ich Fräulein Hegemann einen Rüffel verpasse, wegen Verführung Minderjähriger, oder sollte ich darüber philosophieren, dass man als Lehrer doch irgendwie weiß, über was sich die Eltern beim Abendbrot unterhalten? Du kannst entscheiden, lieber Leser: Für Variante 1, klicke auf diesen Link. Für Variante zwei… (hmmm… einen Fortsetzungsbeitrag! Das müsste man wirklich mal machen! Aber heute bin ich zu faul und bitte um Verzeihung.)

 
 

Erst beschwert, dann doch erleichtert?

13 Feb

Ein Fortbildung im Fachbereich Deutsch, das bedeutet: Viel Neues und Wichtiges mitnehmen, aber auch Redundanzen aushalten zu lernen. Alles sollte sich um die Münsteraner Rechtschreibanalyse drehen, eine absolut wertvolle Einrichtung der Uni Münster, die überforderten Lehrern dabei hilft, eine professionelle Rechtschreibanalyse der Schüler vorzunehmen, aber das war leider nicht immer der Fall. Da saßen wir nun, gespannt auf neue Informationen, den Austausch von Konzepten und tollen Ideen. Und eine volle Stunde lang gelang das auch, doch dann schweifte die Diskussion manchmal ein wenig ab…

So übte man konstruktive Kritik am umfangreichen Material der Rechtschreibanalyse: Man möge doch bitte das Adjektiv “leer” aus dem Material herausnehmen, da eine Steigerung sinnlos sei. Nach diesem Dammbruch (und natürlich ist es literarisch durchaus sinnvoll, zu wissen, dass man “leer” steigern darf) preschten Weitere vor und forderten die Streichung der Worte “Säule” und “Lot”. Sie hätten Schüler, die selbige nicht kennen. Ich forderte innerlich die Abschaffung von Lehrern, die das Wörterlernen abschaffen wollen.

Nach einem kurzen Austausch dazu, ob fertige Lösungsbeispiele besser in Druckschrift oder Schreibschrift abgedruckt werden sollten, erging man sich in Tiraden über die ach so unsägliche vereinfachte Ausgangsschrift. Eine Kollegin schlug vor, das Fördermaterial für die Sekundarstufe I mit drei Hilfslinien zu versehen, damit die lieben Kleinen wüssten, wo sie Ober- und Unterlängen hinschreiben müssen. Ich blinzelte heimlich auf die Einladung und suche das Wort “Primarstufe”, konnte es aber nicht finden.

Zu guter Letzt bekamen auch noch die Schulbücher ihr Fett weg, die bei all dem eigentlich gar keine Rolle spielten. Dass doofe Aufgabenstellungen uns das Leben versauern, habe ich nun gelernt. Und, dass man sich durch das ganze Beschweren insgeheim doch zu erleichtern scheint? Was physikalisch paradox erscheint, ist im Lehrerberuf nur folgerichtig…

 

Titel unnötig

01 Feb

Entschuldigt, aber zur Zeit bin ich ziemlich “durch” und ich versuche, meine Kreativität auf meine Unterrichtsgestaltung zu richten, anstatt sie im Blog zu verbraten, sofern man das mit Kreativität überhaupt machen kann. Wobei mir gerade auffällt, dass ich mir noch nie wirklich Gedanken über Kreativitätskonzepte gemacht habe: Was ist Kreativität, wo kommt sie her, kann man sie zielgerichtet nutzen, ist sie aufbrauchbar etc.? Spannend. Aber aktuell habe ich gut zu tun und versuche, in meiner Freizeit aufzutanken, statt zu schreiben. Aber heute ist ein beweglicher Ferientag und keine Klassenarbeiten in Sicht, da nehme ich mir die Zeit einfach mal wieder.

Eine Reihe zu Brechts “Mutter Courage” steht in einer mir unbekannten zehnten Klasse an und ich freue mich schon drauf, obwohl ich weder Mutter Courage schon einmal unterrichtet hätte, noch die Klasse kenne, aber ich denke, dass das spannend wird. Mittlerweile denke ich Unterricht auch viel vernetzter als früher. So weiß ich jetzt, worauf ich bei der neuen Klasse achten werde, damit sie im nächsten Jahr alle nötigen Grundfertigkeiten haben, die ich aktuell in meinen Oberstufenkursen vermisse. Dabei werde ich die Gnade des letztens Jahrgangs Mittelstufe nutzen: Frei von Abi-Obligatorik unterrichten zu können und dabei doch ein ordentliches Niveau und ein gewisses Maß an Reflektion erreichen zu können.

Das Zentralabitur hingegen macht Schüler zu Mastgänsen, denen man das Wissen mit einem Stock reinstopfen muss und Lehrer zu bestialischen Mästern – mir macht das keine Freude und ich habe jetzt schon den Horror vor den Prüfungen. Ob ich wohl die richtigen Schwerpunkte gesetzt habe? Oder ob ich noch mehr in die Breite hätte gehen sollen? Oder doch kompetenzorientierter? Oder sachorientierter? Noch instruktiver? Oder freier, kreativer? Ich mache eine Buddel Champagner auf, wenn sie diesen Psycho-Irrsinn hoffentlich irgendwann einmal wieder abgeschafft haben.

Und wo wir so in etwa beim Thema Kreativität sind: Gibt’s eigentlich schon erste didaktische Überlegungen zum iPad?

 

Vortanzen am ToT

22 Nov

“Vortanzen” nannte es der Kollege letzte Woche, als ich allgemein nach dem Ablauf am ToT fragte. Er hätte das noch nie gemusst, aber eine andere Kollegin konnte informativ einspringen und erläuterte mir, dass ich am ToT nur eine Vorführstunde vorbereiten müsse und nicht, wie zunächst befürchtet, zwei. Ach, “ToT” ist übrigens keine verklausulierte Lehrerwendung, die übermäßige Ferienreife ausdrücken soll, sondern bedeutet schlicht “Tag der offenen Tür”. An diesem einzigen Samstag mit Unterricht besuchen Eltern und Schüler der vierten Klassen die weiterführenden Schulen, was sich in leeren, unbelebten Schulgebäuden natürlich äußerst schlecht macht. Darum kommen einige Klassen an diesem Samstag in die Schule und demonstrieren den anwesenden Eltern und Kindern, wie Unterricht dort ablaufen könnte.

Dabei ist “könnte” gar nicht so weit von der Realität entfernt, denn ich werde eine Stunde halten, die ich letztes Halbjahr schon einmal in realiter mit einer Klasse durchgeführt habe. Trotzdem bin ich jetzt schon gespannt, ob alles so klappt und funktioniert, wie vorgestellt, und vor allem, ob ich die angehenden Fünftklässler auch schon mit einbinden kann. Ich hoffe, dass genug Extrovertierte dort sitzen werden, die vor einem unbekannten Lehrer keine Scheu haben und mit dem Thema “Syntax” etwas anfangen können. Und wenn sie’s bis dahin nicht gelernt haben, dann spätestens am ToT…

Es wird das erste Mal sein, dass Eltern meinen Unterricht begutachten, wie mir gerade auffällt. Sonderbar, oder?

 

Unfollow monday – Welcome back “Kreide fressen”

19 Okt

Wollte gerade einen Beitrag schreiben zu einem Artikel, der eine Hörbuch-Lyrik-Sammlung bepreist, bejubelt, unverhohlen bewirbt, ohne auch nur irgendwo das Wörtchen “Anzeige” in Schriftgröße 2 zu verbergen. Wollte schreiben, dass mich das ärgert und über dieses Projekt, das von den Autoren selbst gelesene Gedichte gesammelt hat, herziehen, wollte schreiben, wie schlecht die Autoren oft ihre eigenen Gedichte lesen, wie sie wunderbare Texte zu leblosem Halskratzen verarbeiten, wie sie liebliche Klänge lieblos krächzen und wogende Wellentäler tonlos herausleiern, wollte Kurt Schwitters gegen Otto Sander aufrechnen.

Und dann ist mir eingefallen, wie schwer diese Arbeit gewesen sein muss, wie viele Stunden die Verlagsmitarbeiter gewühlt, gefragt, telefoniert und geschrieben haben müssen, wieviele Briefe sie getippt, wie viele Bitten an fremde Menschen gerichtet haben, wie viel Juristendeutsch sie ertragen mussten und wie viele Nackenschläge ihnen heute Haltungsstörungen verursachen.

Das sollte man nicht schlechtreden, das ist verdienstvolle Arbeit. Aber schlecht kaschierte Werbung von sogenannten Journalisten sollte man anprangern. Jeden Tag. Ich wünsche mir ein Netzwerk “MeinJourni.de”. Da könnte man dann Journalisten bewerten (und mit großem Interesse abwarten, wie sie darüber in ihren Zeitungen schreiben!).

Trotzdem empfehle ich die WDR-Produktion “Lieblingsgedichte der Deutschen“, gelesen von hervorragenden professionellen Sprechern und einem Otto Sander, auf dessen Schuleinsatz von “An Anna Blume” ich mich jetzt schon freue.

Unfollow monday
Apropos Netzwerke: Aktuell erfasst mich wieder die Twitter-Müdigkeit. Ja, es ist ja nützlich. So nützlich. So total nützlich. So wahnsinnig nützlich. So unendlich nützlich. Weil bestimmt wieder jemand einen guten Link hinwirft. Man lernt ja so wahnsinnig viel dabei und man diskutiert so unglaublich tiefsinnig.

Dabei ist Twitter die organisierte Ignoranz: Wer nicht schnell und permanent schluckt, wird auf der Strecke liegengelassen mit den letzten Info-Bröckchen, ist nicht mehr up to date, muss sich durch einen Haufen Fallengelassenes der vergangenen Nacht wühlen. Dabei immer wieder Links auf eigene Blogbeiträge, Werbung in eigener Sache. Werbung in fremder Sache für Gewinnspielchen und dergleichen Firlefanz. Nur ab und zu, das nimmt schon keiner krumm, wir sind doch alle Freunde.

Twitter ist ein großartiges Manipulationswerkzeug mit eingebauter Hintenrum-Funktion, ein strategisches Mittel für Informations-Feldherren und ihre Soldaten. Geregelter Sturm von Diskussionen ist schnell organisiert, optische Meinungsführerschaft schnell hergestellt, der Mob fix organisiert.

Es ist vielleicht unklug, Twitter zu meiden; man könnte etwas verpassen, man könnte den Anschluss verlieren, man könnte strategisch auf verlorenem Posten stehen. Den Mut habe ich, ich verlassen den geweihten Zirkel, begebe mich auf den Pfad der Fortschrittslosen, der Ausgestoßenen, der Abgehängten.

Bleibt unter euch, ihr Kommunikationsrambos, tragt eure Kommunikationsschlachten ohne mich aus. Ich habe fast fertig mit Twitter. Adios Tweetdeck und Co. Heute ist großer “unfollow”-Monday.

Welcome back “Kreide fressen”!

(Keine weiteren Kommentare meinerseits.)

 

Von wegen Schüler wollen Action…

25 Apr

Da standen wir nun in der lauen Bielefelder Nachtluft, die Menschen strömten durch die großen Türen des Stadttheaters an uns vorbei, hinter uns rauschten die Stadtbahnen. Meine Kollegin und ich waren’s zufrieden und hatten eine gute Vorstellung “Don Karlos” hinter uns, wenn auch unerwartet modern, doch gerade das sollte unseren Schülern entgegengekommen sein. Oder?

Bestimmt waren es nicht die verzerrte Gitarrenklänge, zwischen einigen Aufzügen eingebracht, die mein gitarrenverliebtes Ohr als rückwärtsgespieltes Tapping erkannte, psychedelisch und verstörend, während sich die drehbare Bühne bewegte und dem Betrachter neue Räume eröffnete. Bestimmt nicht das “Blablabla”, das die Schauspieler mitunter lautstark einwarfen und so lange Dialoge abkürzten.

Vielleicht waren es die Kostüme. Ein Schüler beschrieb die Figuren als aus einem Mafia-Film der 50er-Jahre entsprungen. Unrecht hatte er da nicht. König Philip wirkte in seinem silbergrau glänzenden Anzug wie ein Wirtschaftsboss, vielleicht auch ein wenig wie ein Pate. Seine Schergen Alba und Domingo in ihren schwarzen Anzügen und mit Albas Pistolenholster wie brutale Mafiosi. Posa dagegen schien wie ein Stadtstreicher, wie ein abgerissener Halunke, ein Möchtegern-Punk, in seinem olivfarbenen Unterhemd, der wirren Frisur und dem Fell auf der Schulter.

Vielleicht war es die Körperlicheit der Inszensierung. Wenn Männer sich freundschaftlich und inniglich küssten, wenn Karlos ins Gemach der Eboli eindrang, mit dieser eng umschlungen unzüchtig auf den Boden stürzte; wenn der König seinen nicht mehr jungen Oberkörper entblößte oder wenn die Eboli von Alba und Domingo sexuell genötigt wurd.

Vielleicht waren es die, trotz Kürzungen, immer noch langen Dialoge, die Konzentration und Aufmerksamkeit verlangten, wollte man ihnen folgen. Vielleicht brauchte es dafür manchmal Sentenzen wie Ebolis “Ich habe deinen Mann gefickt”, um die Schüler von Zeit zu Zeit zu wecken und zu entsetzen.

Vielleicht war es auch einfach der Wunsch, den “echten” Schiller zu sehen, in klassischen Kostümen, in ganzer Pracht, in kunstvoll gestelzter Sprache, dem hohen Ton; vielleicht der Wunsch, Theater zu sehen, das edel und rein ist, frei vom Staub und Schmutz des Alltags. Eine Phantasiewelt, die von untergegangenen Königreichen erzählt, irgendwann in einer fernen Vergangenheit, in der es wundervolle Kleider gab und in der wunderschöne feine Damen und Herren Intrigen spannen, um Freundschaft, Macht und Freiheit rangen.

Reichlich Applaus gab es trotzdem. Und wir haben Montag reichlich Diskussionsstoff. Auch wenn die Rückmeldungen bislang eher von Enttäuschung berichteten.

 
 
 

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