Soeben das erste Mal externe Zweitkorrekturen zurückerhalten. Alles im Lot, der Zweitkorrektor hat schlimmstenfalls drei Punkte Abweichung in der Gesamtpunktzahl (von 100), womit mir – wieder einmal – ein paar Karren Mühlsteine vom Herzen purzeln, denn nichts wäre mir jetzt blöder gewesen als eine Drittkorrektur…
Archive for the ‘Das erste Mal’ Category
Das erste Mal mündliches Abi
Das erste Mal – zumindest auf der „dunklen Seite der Macht“, wie es ein Referendar ausdrückte. Sieben Schüler musste ich heute prüfen, die Schulleiterin als Prüfungsvorsitzende immer dabei – immerhin hatte sie die anderen Grundkurse unterrichtet. Ungünstig war, dass wir den Tag zuvor noch eine „etwas“ längere Lehrerkonferenz hatten, wo ich mich doch gerne gedanklich auf die Prüfungen vorbereitet hätte. Vielleicht war das aber auch gar nicht so schlecht, denn sonst hätte ich womöglich haufenweise Fragen vorformuliert und hätte starr an meinem Bogen geklebt; so war ich heute etwas freier.
Die Nacht zuvor habe ich vermutlich genauso wenig geschlafen wie die Schüler und war (zumindest anfangs) genauso nervös wie die Prüflinge. Mit einer Ausnahme ist alles mehr oder weniger wie erwartet gelaufen und ich bin jetzt fertig wie ein Brötchen. Bloggen, duschen, Bett. Fertig.
Mama, bin ich jetzt endlich ein großer Lehrer? Nein, mein Junge! Dafür musst du erst einen LK gehabt haben…
Geschenke
Haben heute zum ersten Mal gewichtelt. Das schönste Geschenk waren allerdings zwei Preise bei einem Schreibwettbewerb, die meine Klasse eingeheimst hat, und die unserer kargen Klassenkasse ein fröhliches Lächeln auf die Lippen zaubern. So langsam sehe ich trotz des Schnees wieder Sonne und freue mich auf entspanntes Korrigieren, Ausschlafen und Gitarre malträtieren können. Ach – und Kommentare kommentieren, das schaffe ich jetzt bald auch wieder…
(Und der einzige Depp, der sich beim Wichteln an das 3-Euro-Limit gehalten hat, war natürlich ich…)
Vortanzen am ToT
“Vortanzen” nannte es der Kollege letzte Woche, als ich allgemein nach dem Ablauf am ToT fragte. Er hätte das noch nie gemusst, aber eine andere Kollegin konnte informativ einspringen und erläuterte mir, dass ich am ToT nur eine Vorführstunde vorbereiten müsse und nicht, wie zunächst befürchtet, zwei. Ach, “ToT” ist übrigens keine verklausulierte Lehrerwendung, die übermäßige Ferienreife ausdrücken soll, sondern bedeutet schlicht “Tag der offenen Tür”. An diesem einzigen Samstag mit Unterricht besuchen Eltern und Schüler der vierten Klassen die weiterführenden Schulen, was sich in leeren, unbelebten Schulgebäuden natürlich äußerst schlecht macht. Darum kommen einige Klassen an diesem Samstag in die Schule und demonstrieren den anwesenden Eltern und Kindern, wie Unterricht dort ablaufen könnte.
Dabei ist “könnte” gar nicht so weit von der Realität entfernt, denn ich werde eine Stunde halten, die ich letztes Halbjahr schon einmal in realiter mit einer Klasse durchgeführt habe. Trotzdem bin ich jetzt schon gespannt, ob alles so klappt und funktioniert, wie vorgestellt, und vor allem, ob ich die angehenden Fünftklässler auch schon mit einbinden kann. Ich hoffe, dass genug Extrovertierte dort sitzen werden, die vor einem unbekannten Lehrer keine Scheu haben und mit dem Thema “Syntax” etwas anfangen können. Und wenn sie’s bis dahin nicht gelernt haben, dann spätestens am ToT…
Es wird das erste Mal sein, dass Eltern meinen Unterricht begutachten, wie mir gerade auffällt. Sonderbar, oder?
Juggern in der Schule
Bevor ich irgendetwas schreibe, möchte ich hier per Youtube eine Sportart präsentieren, die ich mir gut an vielen Schulen vorstellen kann (ab 1:00 geht’s richtig los):
Jugger nennt sich dieser Sport, eine Mischung aus Rugby, Gladiatorenkampf und Quidditch ohne Schnatz, basierend jedoch auf dem Film “Blood of Heroes”. Ziel dieses Mannschaftssports ist es, dafür zu sorgen, dass der unbewaffnete Läufer den “Hundeschädel” in das Mal stecken kann, denn dann gibt es einen Punkt für das Team. Gekämpft wird mit unterschiedlichen Waffen: Q-Tip, Langpompfe, Kurzpompfe (und Schild), Stab und Kette.
Bei weitem weniger martialisch geschmückt, aber dennoch mit einem mulmigen Gefühl stand ich dann heute auf dem Sportfeld, denn zwei meiner Kollegen hatten zur Fortbildung im Bereich Jungsförderung geladen. Die Waffen lagen bereit, vor allem Q-Tips und Stäben, aber auch Kurzpompfen, ein Schild und zwei Ketten. Einige anwesende Schüler hatten auch selbstegbaute Q-Tips mitgebracht und schon beim ersten Spaßgefecht mit dem Sportkollegen wurde mir klar, dass man körperlich schnell an seine Grenzen kommt, wenn man nur versucht, den anderen mit seiner Waffe zu erwischen – was das dann geben sollte, wenn die Rugby-Elemente dazukommen sollten, war mir schleierhaft.
Was jedoch im obigen Video wie eine wilde Keilerei aussieht, ist ausreichend reglementiert, damit niemand zu Schaden kommt. Auch die martialisch-archaisch anmutenden Waffen sind harmloser als so manche durch Schulflure gekickte Wasserflasche oder hinterhältig geworfene Schneebälle. Auch härtere Gefechte übersteht man schmerzfrei und Kopf- und Genitalbereich sind als Trefferzonen ausgenommen.
Beide Mannschaften postieren sich an entgegengesetzten Spielfeldrändern, der Hundekopf liegt in der Mitte und auf Kommando gilt es, laut schreiend dafür zu sorgen, dass der eigene Läufer den Kopf zum gegnerischen Mal bringen kann. Die Kämpfer müssen ferngehalten und der gegenerische Läufer möglichst gepinnt werden. Trifft man einen Gegner, muss dieser fünf Sekunden kniend laut abzählen und darf dann wieder eingreifen, es sei denn, er wird gepinnt. Pinnen bedeutet, dass man seine Waffe an den Gegner hält und dieser solange hocken bleiben muss. Fairness ist hier unbedingt nötig: Man muss auf die Knie, wenn man getroffen wird, und auch langsam zählen. Bei Meinungsverschiedenheiten gibt es ein Stopp-Signal, auf das hin sich alle in der Mitte treffen und eine Lösung für das Problem suchen.
Und spätestens hier wird Jugger pädagogisch: Ein hartes, martialisch anmutendes Spiel mit einfachen Regeln trifft auf die Möglichkeit, Konflikte eben nicht auf handfeste Weise zu lösen, sondern zu besprechen und Kompromisse zu finden. Reizvoll ist dabei die vermeintliche Härte des Spiels (mangelnde Kondition ist hier viel schlimmer als mangelnde Körperkraft…), mit der man wilde Jungs begeistern kann, gleichzeitig aber auch das Einüben von Fairness, Taktik und gewaltfreier Konfliktlösung. Nicht umsonst ist die AG nur für bestimmte Jungs geöffnet und auch die Kollegen aus anderen Schulen beschäftigen sich mit Jungsförderung. Doch nebenbei bemerkt: Auch Mädels können hier gut mitmischen, da die Waffen hier für Chancengleichheit sorgen. Es geht ja eben nicht darum, den Gegener aus den Socken zu hauen, sondern ihn lediglich zu berühren. Die zwei anwesenden Kolleginnen haben dann auch gleich ordentlich mitgemischt.
Ganz nebenbei ist mir die Idee gekommen, dieses Konzept doch irgendwann einmal auf eine neue Geschichts-AG zu übertragen: Die Gladiator-AG. Dabei könnte man die Waffen (relativ günstig) selber bauen und um neue Waffentypen erweitern, die denen römischer Gladiatoren entsprechen. Man könnte so Kampfweisen experimentell erproben, sich die Ernährungsweise anschauen und einmal nachempfinden, wie anstrengend nur wenige Minuten im direkten Kampf Mann gegen Mann sind. Auch historische Schlachten bekommen so einen anderen Beigeschmack – es ist mir nach dem heutigen Tag unerklärlich, wie man da heil herausgekommen sein will. Eine Verschnaufspause muss einem Todesurteil gleichgekommen sein…
Handfester Unterricht
Da ich gerade dabei bin, mich vor dem Ertrinken zu retten, hat sich mir heute überraschend eine kleine, feine Insel am Horizont gezeigt, die es mir erlaubt, Geschichtsunterricht einmal anders zu gestalten. Dabei half mir das Glück, dass ein Wahplflicht-AG-Projekt, das wir im Team bestreiten wollten, leider nicht angenommen werden konnte, sodass ich nun in der trotzdem glücklichen Lage bin, ab nächstem Schuljahr eine AG “Experimentelle Archäologie” durchzuführen!
Yeeeha! Das wird wirklich Lernen mit Kopf, (hoffentlich viel) Herz und (das steht fest!) wahnsinnig viel Hand! Auch die Füße werden nicht zu kurz kommen und Geschichte wird von diesen Schülern einmal nicht als Erstes durch langweilige Texte erlebt. Wir werden ausprobieren wie Geschichte sich anfühlt, riecht, schmeckt, klingt – Mann, das ist so viel mehr, als dieser ganze, oft fernliegende Textkram, wenn auch nicht ganz ohne Aufwand.
Das ist vielleicht ein ganz guter und handfester Ausgleich zu dem virtuellen Leben hier vor dieser Mattscheibe. Statt Geschichte zu ergooglen werden wir sie ausprobieren, statt Sekundärerfahrung zu konsumieren werden wir uns die Finger selber grün und blau hauen, und das gemeinsame Zubereiten und Verzehren eines steinzeitlichen oder mittelalterlichen Gerichts erlaubt uns mindestens so gut direkte Kommunikation, wie hier gefordert.
Das erste Mal: Protokoll in der Mündlichen
Zum ersten Mal Protokoll für mündliche Abi-Prüfungen geschrieben. Das war gar nicht soo anstrengend, wie gedacht und gleich heute wurde auch eines meiner Protokolle gebraucht. Nicht jeder war mit seiner Zensur zufrieden. Es war ganz gut, noch einmal Prüflinge in action zu sehen, bevor ich nächstes Jahr meinen eigenen Kurs ins Abi schicke – jetzt weiß ich, was ich denen noch einmal besonders einschärfen muss: Knallt den Prüfern nicht nur Faktenwissen vor den Latz, sondern verknüpft diese Fakten miteinander und kommt zu einem Sach- und Werturteil! Anforderungsbereich 3 ist bei manchen wirklich kaum oder gar nicht erreicht worden – was vielleicht auch am falschen Bild von Geschichte liegen mag. Tränen hat es auch gegeben und ich war dankbar, dass eine der erfahrensten Kolleginnen anwesend war, um die Sache wieder hinzubiegen…
Man lebt sich ein, an der “neuen” Schule. Ich überlege aktuell, wie ich den Raum für meine neuen Fünfer gestalten kann, wie man ihn “fünferfreundlich” macht und wie ich meine zurückhaltend-trockene Art, mit der ich in Mittel- und Oberstufenklassen recht gut klarkomme, bei den grundschulgewohnten Zwergen ablegen kann. Ein wenig mehr Herzlichkeit wünschte ich mir manchmal schon, aber da liegt irgendwo ein großer Schatten, über den ich nicht so leicht springen kann…
Die letztwöchige Klassenfahrt war übrigens spitze. Besonders ein “Problemschüler” haut jetzt richtig rein und muss nicht immer den Kasper mimen. Bei den Aktionen während der Klassenfahrt konnte er richtig zeigen, was ihm Spaß macht und wo er seine Stärken hat, mit denen er auch ohne Clownsgehabe bei anderen ankommt – das merkt man jetzt. Bilde ich mir zumindest gerade ein.
Weiterhin werde ich ein wenig Web2.0-müde. Neben dem ganzen Alltagsgedöns auch noch den Feedreader checken, die 100 neuesten Tweets lesen, ins Moodle reinschauen, Links folgen, Diskussionen durchdenken und eigene Blogbeiträge schreiben – das ist zu viel für mich. Ich strecke die Waffen und nehme mir von einigen Web-Diensten eine Auszeit. Bloggen werde ich aber weiterhin, zwar wenig fleißig, aber dafür immer wieder mal ein bisschen.
Klassenleitung
Habe heute die Nachricht bekommen, dass ich ab dem kommenden Schuljahr die Leitung einer fünften Klasse übernehmen werde. Spannuuuuung… das wird wohl noch ein Haufen Arbeit werden, wenn ich mir die klassenleitenden Kollegen so anschaue, aber auf jeden Fall auch eine neue Herausforderung. Jetzt muss ich mich erst einmal schlau machen, was man als Klassenleitung alles beachten muss, welche Verpflichtungen man hat, welche Termine man anberaumen und im Auge behalten muss, wie man eine sinnvolle Telefonkette organisiert (die auch bei Ausfällen funktioniert), wie man mit Problemen innerhalb von Klassen umgeht, wie man den Kleinen einen angenehmen Übergang von der Grundschule ins Gymnasium ermöglicht, und so weiter und so fort…
Premiere
Habe gerade meinen ersten Rotstift “durch”. Greife nun auf den Ersatzstift zurück. Demnächst werde ich auf eine andere Farbe umsteigen.
Ein bescheidenes Poesiealbum
Da liegt es nun hier mitten auf meinem Schreibtisch vor der Tastatur und wartet darauf, dass ich etwas hineinschreibe. Es ist ganz klein, DinA-6, und sein Umschlag aus Pappe ist in den Regenbogenfarben gehalten. Es besteht einfach aus weißen, linierten Seiten, und verzichtet auf besonderen Poesiealbentand wie Schnörkelverzierungen oder gar Vorgaben, was man an welche Stelle hinschreiben darf. Es liegt hier nicht zufällig, eine junge Dame aus meiner Fünften hat es mir nach der Stunde mitgegeben und wartet nun gespannt darauf, dass eine weitere Seite gefüllt wird. Von mir. Und das macht mich ein kleines bisschen stolz, obwohl Poesiealben doch eigentlich schon fast zum Schulalltag gehören. Was ist so besonders an diesem bescheidenen Poesiealbum?
Blättert man die erste Seite um, so sieht man, dass ein jemand seinen Namen hineingeschrieben hat, der offensichtlich gerade erst schreiben gelernt hat. Und damit meine ich nicht: In der Schule schreiben gelernt hat, denn der zweite Eintrag datiert auf einen späten Monat im Jahr 2001. Dieses Poesiealbum ist also das einer Poesiealbumfrühstarterin. Viele Leute haben da hineingeschrieben über all die Jahre, doch noch lange nicht jeder: Nur engste Familienangehörige, beste Freundinnen und Freunde und auch Lehrer. Von denen aber nur ganz wenige: Der Grundschullehrer (mit traumhafter Schrift!), die Klavierlehrerin und der jetzige Klassenlehrer. Und nun ich, obwohl ich doch gerade erst als Lehrer eingestiegen bin. Und dass ich das jetzt schon darf, das macht mich ein kleines bisschen stolz.
So. Jetzt muss ich mir die Vorschusslorbeeren nur noch realiter erarbeiten und vor allem etwas Besonderes hineinschreiben. In das bescheidene Poesiealbum.