Ja! Ich hänge viel vor dem Computer. Viel zu viel. Ich setze aus Langeweile Linuxsysteme auf und ab, richte Webserver ein, partitionierte meine Festplatten nach Belieben, habe mich kurz an C++ versucht, bevor die Prüfungswelle mich überschwemmte, klicke aus Prinzip auf verbotene Knöpfe und tummele mich auf verschiedenen 1.0- und 2.0-Schauplätzen des WordWideWeb. Kurz: Ich kann behaupten, mich grundsätzlich mit Computern auszukennen und noch durchausser behaupten, mich dafür zu interessieren!
Deshalb bin ich heute auch frohgestimmt mit meinen Achtern in den Medienraum gegangen, wo wir lediglich Fotostories per Powerpoint fertigstellen wollten. Nix Großes, denkt man. USB-Sticks rein, Fotos kopieren, Powerpoint starten, loslegen. Denkste!
Das Elend begann damit, dass einige Schüler sich nicht einloggen konnte. Weiß der Geier, warum. Da steht man dann als Lehrkraft, um einen herum ein halbes Dutzend hilfeschreiende Schüler, und auf den Bildschirmen prangt ein didaktisch sinnloser Bootloader, der Schüler auf die falsche Fährte führt. Müsste man denen vielleicht mal mitteilen, dass sie auf den Pinguin klicken sollen, um das Betriebssystem zu starten, und nicht die fünf anderen Symbole, die auch nicht unplausibel wirken. Zum Glück gab es zwei Schüler, die das schnell geschnallt und weitergegeben haben.
Denn es bleibt ja nicht bei technischen Problemen. Dings hat seine Fotos vergessen, Bums will noch schnell zwei machen und eine Gruppe muss ganz dringend etwas von einem USB-Stick auf einen anderen kopieren und zwar JETZT!
Apropos USB: Natürlich ist das Schul-Linux bombensicher eingerichtet, sprich: USB-Sticks werden nicht erkannt. Natürlich könnte ich jetzt schnell nachschauen, wie man die mountet, aber erstens fehlen mir die nötigen Admin-Rechte und zweitens drängeln von allen Seiten arbeitseifrige Schüler, die u n b e d i n g t j e t z t ein, nein, ihr Problem haben, das versorgt werden muss.
Andere hingegen nehmen es cool, das Reizwort “StudiVZ” macht die Runde. Verzweifelt starte ich Windows, um von dort per USB die Daten ins Netz zu stellen. Das klappt auch. Das mit dem USB. Das mit dem Netzwerk nicht, womit die Idee, Fotostories im Computerraum fertigzustellen endgültig gescheitert wäre.
Ergo: Abbruch der Aktion, zurück ins Web 0.0, den Klassenraum, und morgen geht es in den anderen Medienraum. Angeblich soll dort USB funktionieren. Ich bin gespannt. Wenn es dort genauso läuft, werde ich Medienräume auch nur noch zum DVD-gucken verwenden. Warum “die Neuen Medien eher selten eingesetzt” werden, ist mir nach dem heutigen Chaos völlig klar.