Über ats20 bin ich drauf gekommen, auf einen Artikel in der ZEIT “Wo die Lehrer sitzenbleiben“. Daraus ein Zitat, auf das man oft stößt, wenn man Artikel über Schule, den hohen Norden und PISA liest:
Heute ist die Elite in der Mehrheit. Von jährlich 57000 Schülern bleiben nur 200 ohne einen Abschluss, 46000 verlassen die Schulen mit Abitur oder Fachhochschulreife. Das sind 80 Prozent eines Jahrgangs, fast doppelt so viel wie in Deutschland.
Das ist schön und möglicherweise sogar auch sehr gut. Achtzig Prozent hört sich nach einer Menge Holz an, nach wahnsinnig guter Arbeit, nach Beschämung für das deutsche Schulsystem, dem ich wohlgemerkt skeptisch gegenüberstehe, auch wenn das im Folgenden nicht so klingen mag.
Es ist die Tatsache, dass man Abitur und Abitur in der Presse einfach so nebeneinanderstellt. Hier das eine, dort das andere; hier dreißig Prozent, dort achtzig Prozent. Was die Worthülse “Abitur” aber inhaltlich bedeutet, welche Unterschiede inhaltlicher Art gemacht werden, sprich: welche Qualität das Abitur letztlich hat, davon spricht niemand. Auch die strukturellen Unterschiede werden ausgeklammtert. Einfach ein paar Zahlen in den Artikel – peng – Klappe zu, Affe tot. Das ist mir, bei allem Interesse an einem integrierenderen Schulsystem, dann doch zu einfach.
Gleiches bei den oft bemühten Vergleichen der Anzahl der Studierenden. Ein Seminarleiter wies uns darauf hin, dass man in – war es nun Schweden oder Finnland – für Berufe ein Studium aufnehmen müsse, die man hier mit einer Ausbildung abdecke. Wenn unsere Krankenschwestern und Erzieherinnen studieren würden, sähen unsere Studierendenzahlen auch anders aus. Um ein wirklich vergleichbares Ergebnis zu bekommen, müsste man diese Statistiken erst entsprechend bereinigen.
Bei allem, was da oben besser laufen mag, aber bei solch einfachen Vergleichen werde ich immer skeptisch, solange ich nichts genaues weiß.