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Gerade im nachmittäglichen Halb-Wachkoma auf der Couch DSDS geguckt und festgestellt, dass die Jugendlichen, die dort auftreten, ungemein durch darstellerische Fähigkeiten glänzen (Präsentationskompetenz per Brüstewackeln, Hüfteschwenk und laszivem Augenaufschlag), es aber an einem mangeln lassen: Textkenntnis. “Isch kann kein Text, de scheiß Text geht nisch in mein Kopf.”, führten etwa 50% der Probanden aus und behalfen sich Lady-Gaga-like mit “lalala” und “dadada”. In meiner nächsten Lyrik-Reihe kombinieren wir beides: Auswendiggelernte Texte werden angemessen präsentiert. Dann kann auch de Dieta nix mehr meckern.

Ach, was schreibe ich hier für einen Stuss? Eigentlich sollte ich ja Werbung für eine tolle Sendung mit de Gülcan machen. Mache ich auch, aber vorher schreibe ich dem ZDF eine Mail, in der ich darum bitte, doch diesen Blog-Beitrag zwischen Heute und dem Wetter anzukündigen. Einfach so, aus Kulanz. Könnten die doch mal machen, gell? Soll ich ja auch. Und dutzende andere Blogger vermutlich ebenfalls. Vielleicht schreibe ich auch der ARD auch noch eine Mail… (siehe zum Thema auch Hanjos Iwanowitschs Replik: “Promi-Pauker, nein danke“)

…und wo ich mich gerade im Bereich Medien verbissen habe: Wirklich Werbung mache ich jetzt mal für den Online-TV-Recorder, der mir mittlerweile eine ziemlich volle Festplatte beschert. Gerade die für den Unterricht brauchbaren schönen Dokus und Filme, die ich meist verpasse, lassen sich dort auch nachträglich noch in verschiedenen Qualitätsstufen herunterladen. Dabei ist das Preis-Leistungsverhältnis in meinen Augen angemessen.

Titel unnötig

Entschuldigt, aber zur Zeit bin ich ziemlich “durch” und ich versuche, meine Kreativität auf meine Unterrichtsgestaltung zu richten, anstatt sie im Blog zu verbraten, sofern man das mit Kreativität überhaupt machen kann. Wobei mir gerade auffällt, dass ich mir noch nie wirklich Gedanken über Kreativitätskonzepte gemacht habe: Was ist Kreativität, wo kommt sie her, kann man sie zielgerichtet nutzen, ist sie aufbrauchbar etc.? Spannend. Aber aktuell habe ich gut zu tun und versuche, in meiner Freizeit aufzutanken, statt zu schreiben. Aber heute ist ein beweglicher Ferientag und keine Klassenarbeiten in Sicht, da nehme ich mir die Zeit einfach mal wieder.

Eine Reihe zu Brechts “Mutter Courage” steht in einer mir unbekannten zehnten Klasse an und ich freue mich schon drauf, obwohl ich weder Mutter Courage schon einmal unterrichtet hätte, noch die Klasse kenne, aber ich denke, dass das spannend wird. Mittlerweile denke ich Unterricht auch viel vernetzter als früher. So weiß ich jetzt, worauf ich bei der neuen Klasse achten werde, damit sie im nächsten Jahr alle nötigen Grundfertigkeiten haben, die ich aktuell in meinen Oberstufenkursen vermisse. Dabei werde ich die Gnade des letztens Jahrgangs Mittelstufe nutzen: Frei von Abi-Obligatorik unterrichten zu können und dabei doch ein ordentliches Niveau und ein gewisses Maß an Reflektion erreichen zu können.

Das Zentralabitur hingegen macht Schüler zu Mastgänsen, denen man das Wissen mit einem Stock reinstopfen muss und Lehrer zu bestialischen Mästern – mir macht das keine Freude und ich habe jetzt schon den Horror vor den Prüfungen. Ob ich wohl die richtigen Schwerpunkte gesetzt habe? Oder ob ich noch mehr in die Breite hätte gehen sollen? Oder doch kompetenzorientierter? Oder sachorientierter? Noch instruktiver? Oder freier, kreativer? Ich mache eine Buddel Champagner auf, wenn sie diesen Psycho-Irrsinn hoffentlich irgendwann einmal wieder abgeschafft haben.

Und wo wir so in etwa beim Thema Kreativität sind: Gibt’s eigentlich schon erste didaktische Überlegungen zum iPad?

Multiperspektivität

Weil hier auch Historiker mitlesen, ein kurzer Hinweis auf einen bedenkenswerten Artikel zum Thema Multiperspektivität im Geschichtsunterricht von Andreas Körber (via Medien im Geschichtsunterricht). Körber plädiert dafür, Multiperspektivität besonders mittels der Darstellung interessensgleicher Gruppen herzustellen und nicht (wohlfeil) antagonistische Interessensvertreter einander gegenüberzustellen. Letzteres biete wenig Lernmöglichkeiten, da es jedem leicht einsichtig sei, dass einander gegenüberstehende Gruppen unterschiedliche Sichtweisen haben.

Zunächst einmal wünsche ich allen Lesern ein frohes und lehrreiches neues Jahr 2010!

Aktuell scheint das Pendel zurückzuschwingen: Während mir persönlich das ganze Internetgedöns über den Kopf wächst, diskutiert man, angeregt durch das Online-Magazin Edge.org, auch verstärkt gesellschaftlich, nein, sogar inter-gesellschaftlich die Frage, wie das Internet das Denken verändert. Einer der dort befragten Wissenschaftler erfüllt sich gerade einen Vorsatz, den ich mit Neid beäuge:

Taleb wird übrigens von der Veröffentlichung seines Textes nicht viel mitbekommen haben. Taleb ist bis zum Sommer 2010 bewusst offline. Und siehe da: “Ich fühle, wie ich wieder wachse”, schreibt er. (SZ)

Er wachse, sagt er und ich fühle förmlich, wie der digitale Druck von ihm abfällt. Und dieses Phänomen einer Belastung durch Fortschritt scheint nicht neu zu sein. Gehen wir doch mal ein paar Jahrtausende zurück. Ich habe gestern eine Sendung über die Entwicklung des Menschen zur Zeit der neolithischen Revolution gesehen. Dort hat man den Fortschritt der Revolution umgedeutet: Man hat nicht den Vorteil des Ackerbaus fokussiert, sondern die neuen Probleme, die dadurch entstanden sein müssen. Sorgen um Missernten, eine beschwerliche tägliche Arbeit, schlechtere Nahrung, das Entstehen von Eigentum und ersten kriegerischen Auseinandersetzungen um Land. Das Bild der vorigen Gesellschaftsform der Jäger und Sammler hatte man übertrieben romantisch überzeichnet und überflüssigerweise auch noch eine positive, weibliche und eine negative,  männliche Komponente in die beiden Gesellschaftsformen gedichtet, aber letztlich fand ich das Fazit gar nicht so sehr daneben: Die neolithische Revolution hat den Menschen zunächst mehr Probleme bereitet, mehr Stress verursacht und mutmaßlich die Lebensqualität und Lebensdauer der Menschen gemindert. Auf lange Sicht betrachtet war dieser Schritt notwendig, denn niemals würden fast sieben Milliarden Jäger und Sammler auf dieser Welt bestehen können, doch für einige Zeit hat er die Situation verschlechtert. Ähnliches ließe sich auch für die industrielle Revolution sagen, wobei es sich hier besonders lohnte, das Stichwort “Entfremdung” einmal auf die neue digitale Welt zu übertragen und  zu untersuchen.

Die Versuchung ist groß, das Ganze analog auf unsere digitale Revolution zu übertragen, dieser den Rücken zu kehren, deren Stress und Qualitätsminderung hinter sich zu lassen, den Konkurrenzkampf Konkurrenzkampf sein zu lassen, wieder zurück in die Vergangenheit zu reisen, nur kurz, so wie Taleb, und all das Gerummel und Getöse um E-Mails, Facebook, Twitter, StepMaps, Google und Co. zu ignorieren. Vielleicht müssen wir da aber auch gerade einmal “durch”, um für klare Verhältnisse zu sorgen.

Geschenke

Haben heute zum ersten Mal gewichtelt. Das schönste Geschenk waren allerdings zwei Preise bei einem Schreibwettbewerb, die meine Klasse eingeheimst hat, und die unserer kargen Klassenkasse ein fröhliches Lächeln auf die Lippen zaubern. So langsam sehe ich trotz des Schnees wieder Sonne und freue mich auf entspanntes Korrigieren, Ausschlafen und Gitarre malträtieren können. Ach – und Kommentare kommentieren, das schaffe ich jetzt bald auch wieder…

(Und der einzige Depp, der sich beim Wichteln  an das 3-Euro-Limit gehalten hat, war natürlich ich…)

Von Komplexität erschlagen

Da hatte ich unlängst in Hinblick auf das Web2.0 den “Ruf eines Ertrinkenden” ausgestoßen, so dehnt sich dieses Gefühl des Überfülltseins, des Informations-Overkills langsam aber sich auf alle weiteren Bereiche aus. Mit einer unangenehmen Nebenwirkung: Ich bin mir meiner eigenen Urteilskraft nicht mehr sicher. Ich weiß auch nicht, wohin mit mir. Scheint wohl gerade eine wenig schöne Phase zu sein, die hoffentlich bald vorbeigeht.

Angestoßen wurde der obige Gedankengang von Christians Aufruf an die Bildungsreporter. Warum nicht, denke ich mir, lege mir kurz ein Statement zurecht, öffne das Programm für die Webcam und plötzlich kommen Zweifel: Hat das überhaupt einen Sinn, in diese Cam zu quatschen? Kannst du überhaupt qualifiziert zum Thema beitragen? Was willst’n du eigentlich beitragen, mal ehrlich betrachtet und auf lange Sicht? Willste etwa neue Folien vorstellen oder Tafelbilder präsentieren? Sind Unterricht und Bildung nicht viel zu komplex, um darüber auch nur irgendetwas mit dem Verstand möglichst objektiv Beurteiltes sagen oder berichten zu können? Wie sollst du kleine Leuchte mehr dazu beitragen können als pure, nackte und unqualifizierte Meinungsäußerungen, wenn es um die zahlreichen hochkomplexen Wechselwirkungen geht, die beim Lernen alle gleichzeitig eine Rolle spielen? Ich habe die Webcam daraufhin wieder ausgeschaltet.

Das Thema könnte ich jetzt beliebig ausdehnen: Auf Politik (“Ja mein Gott, was weiß ich denn, wer jetzt gerade die richtigen Rezepte hat? Wirtschaft, Parteien, soziale Frage – wie und woher soll ich da als Laie ein begründetes Urteil bilden können, ohne zwangsläufig im Ungefähren zu versacken?”), auf unendlich viele gelöschte Blogartikelentwürfe (“Hör doch endlich auf, so viel Nonsens zu schreiben, versenk dein Blog und lass andere den Job erledigen”) oder Klimawandel (“meinnameisthaseundichhabenullahnung – aber Ideologien”) oder wirtschaftliche Fragen (“Kurzarbeitergeld – joa mei. Vielleicht ist’s gut, vielleicht ist’s schlecht!? Bankenrettung – joa, pfffui, mag richtig, mag aber auch falsch sein!? Inflation? Deflation? Währungsreform? Joa, vielleicht, vielleicht auch nicht!?”)

Mal ehrlich: Ich habe doch keine Ahnung. Bildungsreporter? Ja oder nein? Was weiß ich denn schon?

Panikraum Schule

Sorry, habe vergessen, den Tag zu nennen! Das Hörspiel wird erst morgen gesendet!

Kampfplatz Schule – am 8.12. um 20:05 bis ca. 21:00 Uhr wird auf WDR 5 das Hörspiel “Panikraum” ausgestrahlt und steht danach befristet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Die harte Schule des Lehrerlebens ist nur mit kurzen Auszeiten im geschützten Refugium zu ertragen: dem Panikraum, einem ausgedienten Kartenraum, weit ab vom Lärm des Schulalltags. Vier Lehrer haben sich diesen geheimen Platz geschaffen, um nach hartem Fronteinsatz hier ihre Wunden zu lecken. (wdr5.de)

Die Vorschau klang schon mal ziemlich gruselig – Futter für den MP3-Player!

Karten selbst erstellen

Bin gerade über Lehrerrundmail auf Stepmap gestoßen worden und habe das gleich mal ausprobiert. Gefällt mir und bietet gewiss viele Möglichkeiten für den Geschichtsunterricht, analog wie auch besonders digital.

Hokeys Arbeitsplatz
Landkarten erstellen mit StepMap

Hier ein schon fertige Beispiel, brauchbar für den Deutschunterricht:
Goethes Italienreise
Landkarten erstellen mit StepMap
StepMap
Goethes Italienreise

Vortanzen am ToT

“Vortanzen” nannte es der Kollege letzte Woche, als ich allgemein nach dem Ablauf am ToT fragte. Er hätte das noch nie gemusst, aber eine andere Kollegin konnte informativ einspringen und erläuterte mir, dass ich am ToT nur eine Vorführstunde vorbereiten müsse und nicht, wie zunächst befürchtet, zwei. Ach, “ToT” ist übrigens keine verklausulierte Lehrerwendung, die übermäßige Ferienreife ausdrücken soll, sondern bedeutet schlicht “Tag der offenen Tür”. An diesem einzigen Samstag mit Unterricht besuchen Eltern und Schüler der vierten Klassen die weiterführenden Schulen, was sich in leeren, unbelebten Schulgebäuden natürlich äußerst schlecht macht. Darum kommen einige Klassen an diesem Samstag in die Schule und demonstrieren den anwesenden Eltern und Kindern, wie Unterricht dort ablaufen könnte.

Dabei ist “könnte” gar nicht so weit von der Realität entfernt, denn ich werde eine Stunde halten, die ich letztes Halbjahr schon einmal in realiter mit einer Klasse durchgeführt habe. Trotzdem bin ich jetzt schon gespannt, ob alles so klappt und funktioniert, wie vorgestellt, und vor allem, ob ich die angehenden Fünftklässler auch schon mit einbinden kann. Ich hoffe, dass genug Extrovertierte dort sitzen werden, die vor einem unbekannten Lehrer keine Scheu haben und mit dem Thema “Syntax” etwas anfangen können. Und wenn sie’s bis dahin nicht gelernt haben, dann spätestens am ToT…

Es wird das erste Mal sein, dass Eltern meinen Unterricht begutachten, wie mir gerade auffällt. Sonderbar, oder?

Überlebenskampf

Ein schneller Hinweis auf einen langen Artikel auf Spiegel-Online:

Aber man mache sich nichts vor. Der darwinistische Überlebenskampf ist im Begriff, auf das Leben des Einzelnen überzugreifen, auf seine Kommunikation mit anderen, sein Erinnerungsvermögen, das der größte Feind neuer Informationen ist, auf sein soziales Leben, auf seine Berufs- und Lebenskarriere, die längst Bestandteil des digitalen Universums geworden ist. (Frank Schirrmacher)

Es erleichtert mich doch ungemein, dass ich nicht der Einzige bin, der das Gefühl hat, in Informationen zu ersaufen. Doch auch für die Wissensgesellschaft hat Schirrmacher etwas bereit:

Die Antwort lautet nicht, dass Powerpoint-Präsentationen und Computer der Ausweg sind, sie sind noch nichts anderes als Folterinstrumente, solange unsere Vorstellung vom Lernen weiter so funktioniert, als stünde einer an der Tafel und verbreitete Informationen. Die Informationen hat jeder. Aber was Menschen verzweifelt lernen müssen, ist, welche Information wichtig und welche unwichtig ist. Das ist womöglich die große Stunde der Philosophie.

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