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“Zweimal Hausaufgaben nicht gemacht, Kindergeld um 50 Prozent gekürzt”, sagte Sarrazin. “Was meinen sie, was auf einmal die Hausaufgaben gemacht werden.” (Spon)

…wie gut, dass manche Leute weit weg in Berlin sitzen. Aber mal ganz ehrlich, Herr Sarrazin: Wenn irgendjemand tatsächlich eine Kindergeld-Halbierung für zweimal vergessene Hausaufgaben durchsetzen würde, wäre ich der Erste, der ganz feierlich seine Hausaufgabenliste verbrennen würde. Oder keine mehr aufgeben würde. Oder es nicht mehr Hausaufgabe nennen würde. Oder… oder… oder… Wie auch immer: An meinen Schülern würde sich keine marode Finanzpolitik gesundstoßen. Aber einen Alternativvorschlag hätte ich da noch:

„Zweimal die Haushaltsgrenze gerissen, Politikerpension um 50% gekürzt.“, sagte Hokey. „Was meinen Sie, was auf einmal ordentlich kalkuliert werden wird.“

Mein alter Herr, der in den sechzigern die Schule besuchte, als noch Rohrstöcke geschwungen wurden unter einer großteils männlichen Lehrerschaft, prägte mein Männer- und Frauenbild nachhaltig, indem er mir im Grundschulalter immer wieder erzählte, dass die Mädchen zu seiner Zeit in der Schule tendenziell strebsamer und fleißiger gewesen seien als Jungen.

Machen wir uns da vielleicht heute nur wieder selber die Pferde scheu?

Hegemann beim Abendbrot

Da wähnt man, die feuilletonistische Diskussion um das immer weniger mutmaßliche Plagiat Helene Hegemanns sei abgeflacht, Axolotls wieder im Zustandsbereich der Zoologen angelangt und die erhitzten Gemüter abgekühlt, da hebt mich ein Fünftklässler aus den Socken. Nach einem dezenten Hinweis auf unbotmäßiges Abschreiben platzt es freudestrahlend aus ihm heraus: „Da ist doch jetzt diese Siebzehnjährige, die hat sogar ein ganzes Buch abgeschrieben!“ Mit einer Mischung aus gelinder Verzweiflung und gehöriger Faszination nehme ich diesen Beitrag auf. Ein Fünftklässler, der die Hegemann-Debatte gestreift hat.

Was nun? Soll ich diesen Beitrag jetzt damit schließen, dass ich Fräulein Hegemann einen Rüffel verpasse, wegen Verführung Minderjähriger, oder sollte ich darüber philosophieren, dass man als Lehrer doch irgendwie weiß, über was sich die Eltern beim Abendbrot unterhalten? Du kannst entscheiden, lieber Leser: Für Variante 1, klicke auf diesen Link. Für Variante zwei… (hmmm… einen Fortsetzungsbeitrag! Das müsste man wirklich mal machen! Aber heute bin ich zu faul und bitte um Verzeihung.)

Modrige Pilze im Mund

Ach, es will einfach nicht enden. Die Worte zerfallen mir im Mund wie modrige Pilze, um es mal mit Hofmannsthal zu sagen. Deshalb lösche ich meinen Kommentar bei Bluemac und verweise einfach auf den dortigen Blog-Artikel. Es geht um einen zarten Aufbruch, die Verwendung von IKT und Motivation.

Auf zur Lernwolke

Unterrichtseinstiege beginnen ja gerne mit einem Brainstorming oder Blitzlichtern zu bestimmten Begriffen. Würde man dieses Verfahren auf den Namen von René Schepplers neuem (altem) Blog anwenden, würde man mit Sicherheit auf die falsche Fährte geführt, denn Renés Blog hat mit Sicherheit nichts mit „Wolkenkuckucksheim“ zu tun und auch auf „Wolkiges“ wird dort niemand stoßen. Verblüffend ist höchstens die wolkenhafte Leichtigkeit, mit der René durchs Netz schwebt, um immer wieder neue Anstöße und Ideen zur Einbindung der neuen Medien in den Unterricht zu sammeln. Und die teilt er uns mit. In seinem Blog Lernwolke.

So leitet die NDR-Moderatorin den Panorama-Beitrag zum Thema Hamburger Schulreform ein. Es geht im Beitrag um eine Initiative, die sich dem Ziel verschrieben hat, eine Einführung der sechsjährigen Primarstufe zu verhindern. So weit, so gut – nichts, was mich beunruhigen würde – aber als der Beitrag ausgestrahlt wurde, musste ich die Zähne feste aufeinanderbeißen, um nicht laut aufzuschreien, als eine bepelzmantelte ältere Frau vom “systematisch herangezüchteten akademischen Proletariat” schwafelte.

Zitat eines anderen Teilnehmers dieser Initiative:

“Dass ein Kind eines Arbeiters mit dem Kind eines Vorstandsvorsitzenden zusammen am Nachmittag spielt und davon profitiert ist … äh… mag vielleicht manchmal funktionieren, in der Regel wird das aber nicht der Fall sein.”

Dazu sage ich nichts mehr. “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern” ist darum ein passender Titel des Kommentars bei Freitag.de. Und wer den Beitrag um eine Initiative mit fragwürdigen Zielen noch sehen möchte, wer den kalten Angstschweiß der oberen Zehntausend vor gebildeten Aufsteigern riechen will, der kann das beim NDR tun (ich glaube, ab Minute 12:00 geht es los…).

Das papiergefüllte Büro…

…hat manchmal eben doch Vorteile und ist zumindest bis zur flächendeckenden Einführung von Laptopipadsalleskönnergeräten umweltschonender, als das papierlose. Einfach in einen Ordner greifen und die schon verwendete Kopiervorlage herausziehen geht einfach schneller und spart neben Strom auch Tinte und Zeit. Ich drucke mir in letzter Zeit auch häufig E-Mails aus. Muss beim Tippen gerade an den aktuellen Artikel bei Lernen heute über “digital natives” und “digital immigrants” denken, gibt es eigentlich auch “digital emigrants” und “digital exiled persons”?

Emigration. Ist leider keine Alternative. Beobachte zur Zeit die das Aggressive sanguinisch verpackenden Horden im manchen Netzwerken und sympathisiere immer mehr mit Schirrmacher, dessen Thesen durchaus nicht so dumm und von Ahnungslosigkeit gebeutelt sind, wie von manchen behauptet wird. Ich fühle mich nicht gut in gewisser Gesellschaft, der Bauch entscheidet: bald endgültiger Rückzug aus der Enge des Netzes. Auch aus der Dauerkontrolle, dem Ewigaufpassenmüssen, der impliziten Ersatzzensur. Ausbruch aus dem dauernden Eingekesseltsein von “Freunden”. Die Nase ist voll vom Pflegen eines digitalen Vorgartens, dessen Rasen immer kurz geschnitten, gebürstet und nach neuester Mode mit massentauglicher Föhnfrisur ausgestattet sein muss; dem Nachkriechen in neue Netzwerke,  dem Hinterherhecheln nach digitalen Trends.

Hier im Blog werde ich bleiben, wer mich sucht, wird mich hier finden. Ansonsten werde ich jetzt partiell digitalen Selbstmord begehen und mich aus den Bildungsnetzwerken weitgehend zurückziehen.

Ein Fortbildung im Fachbereich Deutsch, das bedeutet: Viel Neues und Wichtiges mitnehmen, aber auch Redundanzen aushalten zu lernen. Alles sollte sich um die Münsteraner Rechtschreibanalyse drehen, eine absolut wertvolle Einrichtung der Uni Münster, die überforderten Lehrern dabei hilft, eine professionelle Rechtschreibanalyse der Schüler vorzunehmen, aber das war leider nicht immer der Fall. Da saßen wir nun, gespannt auf neue Informationen, den Austausch von Konzepten und tollen Ideen. Und eine volle Stunde lang gelang das auch, doch dann schweifte die Diskussion manchmal ein wenig ab…

So übte man konstruktive Kritik am umfangreichen Material der Rechtschreibanalyse: Man möge doch bitte das Adjektiv “leer” aus dem Material herausnehmen, da eine Steigerung sinnlos sei. Nach diesem Dammbruch (und natürlich ist es literarisch durchaus sinnvoll, zu wissen, dass man “leer” steigern darf) preschten Weitere vor und forderten die Streichung der Worte “Säule” und “Lot”. Sie hätten Schüler, die selbige nicht kennen. Ich forderte innerlich die Abschaffung von Lehrern, die das Wörterlernen abschaffen wollen.

Nach einem kurzen Austausch dazu, ob fertige Lösungsbeispiele besser in Druckschrift oder Schreibschrift abgedruckt werden sollten, erging man sich in Tiraden über die ach so unsägliche vereinfachte Ausgangsschrift. Eine Kollegin schlug vor, das Fördermaterial für die Sekundarstufe I mit drei Hilfslinien zu versehen, damit die lieben Kleinen wüssten, wo sie Ober- und Unterlängen hinschreiben müssen. Ich blinzelte heimlich auf die Einladung und suche das Wort “Primarstufe”, konnte es aber nicht finden.

Zu guter Letzt bekamen auch noch die Schulbücher ihr Fett weg, die bei all dem eigentlich gar keine Rolle spielten. Dass doofe Aufgabenstellungen uns das Leben versauern, habe ich nun gelernt. Und, dass man sich durch das ganze Beschweren insgeheim doch zu erleichtern scheint? Was physikalisch paradox erscheint, ist im Lehrerberuf nur folgerichtig…

Gerade im nachmittäglichen Halb-Wachkoma auf der Couch DSDS geguckt und festgestellt, dass die Jugendlichen, die dort auftreten, ungemein durch darstellerische Fähigkeiten glänzen (Präsentationskompetenz per Brüstewackeln, Hüfteschwenk und laszivem Augenaufschlag), es aber an einem mangeln lassen: Textkenntnis. “Isch kann kein Text, de scheiß Text geht nisch in mein Kopf.”, führten etwa 50% der Probanden aus und behalfen sich Lady-Gaga-like mit “lalala” und “dadada”. In meiner nächsten Lyrik-Reihe kombinieren wir beides: Auswendiggelernte Texte werden angemessen präsentiert. Dann kann auch de Dieta nix mehr meckern.

Ach, was schreibe ich hier für einen Stuss? Eigentlich sollte ich ja Werbung für eine tolle Sendung mit de Gülcan machen. Mache ich auch, aber vorher schreibe ich dem ZDF eine Mail, in der ich darum bitte, doch diesen Blog-Beitrag zwischen Heute und dem Wetter anzukündigen. Einfach so, aus Kulanz. Könnten die doch mal machen, gell? Soll ich ja auch. Und dutzende andere Blogger vermutlich ebenfalls. Vielleicht schreibe ich auch der ARD auch noch eine Mail… (siehe zum Thema auch Hanjos Iwanowitschs Replik: “Promi-Pauker, nein danke“)

…und wo ich mich gerade im Bereich Medien verbissen habe: Wirklich Werbung mache ich jetzt mal für den Online-TV-Recorder, der mir mittlerweile eine ziemlich volle Festplatte beschert. Gerade die für den Unterricht brauchbaren schönen Dokus und Filme, die ich meist verpasse, lassen sich dort auch nachträglich noch in verschiedenen Qualitätsstufen herunterladen. Dabei ist das Preis-Leistungsverhältnis in meinen Augen angemessen.

Titel unnötig

Entschuldigt, aber zur Zeit bin ich ziemlich “durch” und ich versuche, meine Kreativität auf meine Unterrichtsgestaltung zu richten, anstatt sie im Blog zu verbraten, sofern man das mit Kreativität überhaupt machen kann. Wobei mir gerade auffällt, dass ich mir noch nie wirklich Gedanken über Kreativitätskonzepte gemacht habe: Was ist Kreativität, wo kommt sie her, kann man sie zielgerichtet nutzen, ist sie aufbrauchbar etc.? Spannend. Aber aktuell habe ich gut zu tun und versuche, in meiner Freizeit aufzutanken, statt zu schreiben. Aber heute ist ein beweglicher Ferientag und keine Klassenarbeiten in Sicht, da nehme ich mir die Zeit einfach mal wieder.

Eine Reihe zu Brechts “Mutter Courage” steht in einer mir unbekannten zehnten Klasse an und ich freue mich schon drauf, obwohl ich weder Mutter Courage schon einmal unterrichtet hätte, noch die Klasse kenne, aber ich denke, dass das spannend wird. Mittlerweile denke ich Unterricht auch viel vernetzter als früher. So weiß ich jetzt, worauf ich bei der neuen Klasse achten werde, damit sie im nächsten Jahr alle nötigen Grundfertigkeiten haben, die ich aktuell in meinen Oberstufenkursen vermisse. Dabei werde ich die Gnade des letztens Jahrgangs Mittelstufe nutzen: Frei von Abi-Obligatorik unterrichten zu können und dabei doch ein ordentliches Niveau und ein gewisses Maß an Reflektion erreichen zu können.

Das Zentralabitur hingegen macht Schüler zu Mastgänsen, denen man das Wissen mit einem Stock reinstopfen muss und Lehrer zu bestialischen Mästern – mir macht das keine Freude und ich habe jetzt schon den Horror vor den Prüfungen. Ob ich wohl die richtigen Schwerpunkte gesetzt habe? Oder ob ich noch mehr in die Breite hätte gehen sollen? Oder doch kompetenzorientierter? Oder sachorientierter? Noch instruktiver? Oder freier, kreativer? Ich mache eine Buddel Champagner auf, wenn sie diesen Psycho-Irrsinn hoffentlich irgendwann einmal wieder abgeschafft haben.

Und wo wir so in etwa beim Thema Kreativität sind: Gibt’s eigentlich schon erste didaktische Überlegungen zum iPad?

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